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Unsere Stellungnahme zum Railjet
Grundsätzlich begrüßt unser Verein „Pro Bahn Vorarlberg“
Investitionen im schienengebundenen Personenverkehr sowohl in Nah-
als auch im Fernverkehr. Eine weitere Qualitätssteigerung in den
ÖBB-Zügen wäre grundsätzlich wünschenswert. Allerdings müssten
Verbesserungen auch in der Realität Platz greifen und nicht nur
durch gut gestaltete Werbespots vorgegaukelt werden.
Nach Meinung von „Pro Bahn Vorarlberg“ nach stellt der von der ÖBB
PV AG so hochgejubelte „Railjet“ einen eklatanten Komfortverlust im
Vergleich zu den bisherigen Fernzügen der ÖBB dar. Ein Zug ohne
Speisewagen für eine achtstündige Fahrt von Wien nach Zürich ist
letztklassig. Das im Railjet bestehende Bistro kann kein Ersatz für
einen Speisewagen sein, der ja auch von den Fahrgästen aus der
Schweiz sehr geschätzt wird. Die bisherigen Reaktionen der Fahrgäste
dazu sind auch eindeutig negativ! Leider sind die Bediensteten des
Bistros oft der „Prellbock“ für die unzufriedenen Reisenden. In
diesem Bistro finden maximal sechs Reisende einen Sitzplatz vor,
Kleiderhaken oder Hutablagen fehlen in diesem Bereich völlig.
In der 2. Klasse (jetzt „Economy“) gibt es keine Wahlmöglichkeit
zwischen Abteil- und Großraumwagen, diese Wahl gibt es allerdings
auch in der „First“ nicht mehr. Der ganze Großraumbereich der
Economy-Class könnte man auf neudeutsch auch als
„High-density-class“ bezeichnen. Hier wird nur versucht, möglichst
viele Fahrgäste auf möglichst geringem Platz unterzubringen. Die
Fenstereinteilung passt nicht zu den Sitzplätzen, in der 1. Klasse
gibt es sogar einen Einzelplatz, der nur den Blick auf eine Wand
ermöglicht. Auch die über die Fenster laufenden Aufschriften
„Railjet“ behindern den Blick nach draußen. Wie in einem derartigen
Ambiente bei einer bis zu acht Stunden dauernden Fahrt beim Fahrgast
ein angenehmes Reisegefühl aufkommen soll, ist für uns nicht
nachvollziehbar.
Es gibt – durch den Verzicht auf Abteilwagen – auch keine
gesonderten Abteile für Eltern mit Kleinkindern mehr. Auch der
Bereich der „Premium“ kann mit den bisher angebotenen
„Business-Abteilen“ nicht mithalten. Man mag über die neuen
„Zahnarzt-Behandlungsstühle“ durchaus geteilter Meinung sein, aber
nachdem nicht einmal in diesem Bereich wirkliche Abteile existieren,
sind auch geschäftliche Telefonate (in der Premium-Class wohl nicht
ganz abwegig) nicht mehr möglich, ohne dass sämtliche Mitreisenden
vom Inhalt des Telefonates Kenntnis erlangen. Die an diesen Plätzen
angebrachten Arbeits- oder Esstische sind ausgesprochen eng
gehalten.
Auch auf die Möglichkeit einer Fahrradbeförderung wurde im Railjet
nicht Bedacht genommen. Mit der Umstellung des jetzigen OEC 162/163
„Transalpin“ ab 14. Juni 2010 auf Railjet-Garnituren wird es im
Fernverkehr Österreich – Schweiz und umgekehrt keine
Fahrradbeförderung in den Reisezügen mehr geben. Gerade für ein
Tourismusland wie Österreich stellt dies einen eklatanten
Rückschritt in der Qualität des Eisenbahnverkehrs dar.
Durch den vermehrten Einsatz der Railjet-Züge wird das dem früheren
Vorstands-Vorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn,
zugeschriebene Zitat Realität, dass Bahnfahrten über vier Stunden
eine Tortur seien. Offensichtlich will die ÖBB PV AG ihre Kunden im
Fernverkehr mit allen Mitteln zum Flugverkehr bringen (darauf weist
ja auch der Name „Jet“ schon hin).
Text: Markus Rabanser
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